Kind und Konsum

Kinder fressen einem die letzten Haare vom Kopf. Kleine Nager, die sich nachts kreischend ins Unterbewusstsein sägen. Pausenlos Schreckmomente in der Tiefschlafphase: Zum wievielten Mal will der kleine Vielfraß heute nacht noch die Brust? Einzig stetig bei gutem Wetter: der Mond mit blass bleichen Gesicht. Als wolle er sagen, du bist nicht die Erste, die den Schmerz erlebt, deren Augenringe wie Schatten in der Abendsonne über das Gesicht ziehen. Doch Muttersein ist das Natürlichste von der Welt. Vatersein gleichfalls, doch beobachten sie im klassischen Patriarchat den Kampf der Erziehung ausgedrückt in Zahlen auf dem Bankkonto. Schließlich kosten dreimal täglich ein neuer Windelbezug nicht wenig. Größter Posten – bevor die Kinder als eigenständige Konsumenten auf den Markt treten – ist die Kleidung. So schnell wie ein Kind wächst, so häufig wechselt es auch die Wäsche. Tipps wie: „Schau mal hier oder dort, da habe ich Kleidung für Kleinkinder gefunden“, können helfen. Second Hand ist der Anglizismus bei dem Mütterherzen und Väterkonten Sprünge machen. Warum auch die sensible Haut der Kleinkinder mit behandelter Stangenware belasten? Aus zweiter Hand ist die Kleidung ökologisch verträglich, gesundheitlich weniger bedenklich und ökonomisch ein großer Vorteil.

Außerdem beugt man mit gebrauchter Kleidung vor, den Nachwuchs weniger zu Konsumopfer zu erziehen. Kinder werden früh genug von der Kulturindustrie und dem Markt indoktriniert. Dann muss es der Schlüpfer mit Lightning McQueen Aufdruck sein oder der Hello Kitty-Rucksack. Passen Eltern in der Zeit nicht auf, fallen die Kinder dem Konsum anheim. Ob Fernsehjunkies oder Coca Cola-Süchtige, Kinder können meist die negativen Folge nicht abschätzen.

Kürzlich ist in Australien erst eine Frau daran gestorben, dass sie zu viel Cola getrunken hat. Zehn Liter am Tag soll sie geschluckt haben. Ob sie an Zuckerschock oder Leberschaden zugrunde ging, weiß ich nicht mehr.

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Bewusst leben

Schienen sind so verflixt gefährlich. Wir mussten heute eine bildhübsche Radfahrerin auf die Bahre legen. Natürlich immer Vorsicht vorm Genickbruch. Ganz sacht haben wir die Frau von der Straße gelesen. Sie ist wohl bei dem Regen mit dem Rad in die Straßenbahnlinie gekommen. Ruck zuck geht das und du liegst lang. Keine Chance, auch ein Helm hilft bei diesen heftigen Stürzen nur bedingt. Aber klar, besser so eine Schüssel auf dem Kopf als keine.

Hunderte von Leute standen um die Frau herum, gafften, hielten ihr die Hand. Noch mehr starrten von den umstehenden Fenstern auf sie drauf. Kein Wunder, dass die Nachrichten voll sind mit Schreckensnachrichten. Das lockt die Menschen ans Fenster oder eben vor die Glotze. Dass man sich mal über seinen Nachbarn freut, kommt selten vor. Lieber sieht man ihn, in seinem eigenen Blut liegen. Oder der Neid erfüllt einen, bei dem Glück, das der Nachbar hat.

Die Frau wurde geröntgt, ihr war nichts passiert. Außer dem Schock und ein paar Schürfwunden, auf die bunte Pflaster geklebt wurden, war sie völlig in Ordnung. Also konnte sie auch gleich wieder gehen. Hätte ja gern gewusst, was sie gemacht hat. Wahrscheinlich für ein paar Sekunden die Routine angehalten und das Leben genossen. Ich habe das selbst schon erlebt. Nach so einem Unfall fühlt man sich viel mehr am Leben, als gewöhnlich. Man genießt jede Sekunde und gönnt sich einen Kaffee, eine heiße Badewanne oder sonst etwas schönes.

Der Unfall muss aber einem selbst passieren, denn einfach nur Unfälle anschauen, hat nicht dieselbe Wirkung. Schließlich sehe ich tagtäglich Unfälle und bin trotzdem im Stress. Nur gut, wenn so etwas harmlos ausgeht.

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Nass wie ein Pudel

Heute kam ich von der Schicht. Nein, mein Sohn hat mich abgeholt, kurz bevor ich aus dem Krankenhaus ging. Er stand draußen, wartete im Regen auf mich. Ganz allein hätte er sich doch dort erkältet. Der ist wohl ausgerissen. Wer weiß, was er zuhause wieder ausgefressen hat. Vielleicht die gesamte Keksdose. Und glaubt mal nicht, da wären nur so ein, zwei Duzend drin. Kiloweise Süßkram passt in die Dose. Schon einmal hat das Krümelmonster die ganze Dose leer gemacht. Danach hat er gespuckt wie ein Lama, jeder einzelne Keks spülte ich im Klo hinuter. Wirklich schade um die Cockies. Weiß nicht, warum der Kleine soviel essen kann. Wahrscheinlich schlingt er sie so schnell runter, dass ihm erst das Hungergefühl im Magen liegt, wenn er die ganze Büchse verputzt hat.

Bis auf die Haut durchnässt steht er da, und ich sehe kleine Kekse seinen Bauch blähen. Spindeldürre tropft der Regen von seinen Rippen. Warum Kinder so dünn sein müssen, dass man ihren Bustkorb sieht. Im Sommer sieht man häufig diese Knochen über den Strand tollen. Ausgenommen der fetten Kinder. Das hat zwar zugenommen, aber ist ja auch wirklich unnatürlich.

Wir steigen in mein Auto und seine nasse Hose macht ein matschiges Geräusch. Ich habe Angst, er erkältet sich. Ein nasser Fleck bleibt auf dem Sitz, als wir austeigen. Mann, wie mein Auto leidet, seitdem ich eine Familie habe.

Meine Frau hat nicht mal mitbekommen, dass der Kleine weg war. Wunderbar, hier kann jeder machen, was er will. Ist doch prima. Zum Glück ist nichts passiert. Sie hat ihn in die warme Badewanne gelegt. Und ich legte mich vor den Fernseher.

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Der Kaffee-Automat

Ist das zu glauben, heute war nichts los. Wir sind nur zweimal ausgerückt. Nicht, dass ich mich darüber freuen würden, wenn die Leute sich reihenweise verletzen oder in Lebensgefahr bringen. Aber was soll ich den in diesem stinkenden Saal des städtischen Krankenhaus herumsitzen, Stunde um Stunde die Dämpfe der Desinfektionsmittel inhalieren. Diese Licht auf den Gänge macht mich ganz krank. Es scheint gleichmäßig Sonnenlicht oder so ein Imitat von sich zu geben. Doch in Wirklichkeit flackert es wie verrückt, es macht mich aggressiv. Kurzes Flackern, ich sah mich schon den Kaffeeautomaten bearbeiten. Da ist vorn so ein Affe, Lackaffe drauf gedruckt, dem die Sonne in sein Hinterteil scheint. Er wird von Hinten beleuchtet, so dass seine weiße Zahnreihe glänzt. Anstatt brau zu sein wie mein, von diese Ekelkaffe, der dir zwischen den Zähnen hängen bleibt. Dieser Typ mit südländischem Ausdruck, wahrscheinlich Italiener oder so ein Mafiosi aus Sizilien, nervt. Dem gehört die Fresse poliert, kann er von Glück reden, dass ich mich gut unter Kontrolle habe. Das gehört zu meinem Sport. Also machen wir ein Augen-Battle, das er jedes Mal gewinnt. Ich wechsele die Plätze, dass ich den Automaten von der Seite sehen.

 

Gegen Nachmittag war ich ziemlich müde, habe mir aber kein Kaffee geholten, sondern habe mich auf die Couch gelegt. Gerade als der erste Traum losging, wäre wohl was angenehmes geworden, gab es den ersten Notfall, und ich musste los. Kurz vor Feierabend kam dann der zweit Anruf rein. Eine alte Oma hat den Notarzt gerufen, sie fühle sich schlecht. Wahrscheinlich ist es nur eine Verstopfung, aber wir müssen raus, sodass ich Überstunden gemacht habe. Verrückt, den ganzen Tag liegt man rum, und überzieht dann doch seine Arbeitszeit.

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Mein Feuerteufel

Mein kleiner Affe hat sich doch an den Spruch: „Messer, Schere, Feuer, Licht, gehört in Kinders Hände nicht.“ Klingt irgendwie blöd, habe den wohl nicht richtig in Erinnerung, auf jeden Fall, hatte unser Sohn ein paar Streichhölzer aus der Küche gestohlen, um damit herum zu spielen. Warum Kinder so von Feuerspielzeug angezogen werden, frag ich mich. Kann mich noch gut erinnern, wie ich im Wald mit meinen Jungs aus dem Kindergarten unterwegs war. Holla, die Waldfee, hatten wir Glück gehabt. Voll in Panik haben wir auf dem Boden versucht das trockene Gras auszutreten. Das Feuer breitete sich ungeheuer schnell aus, schließlich war es Sommer und die Sonne knallte durch die Baumwipfel und hat wirklich alles ausgelaugt, kein Tropfe Feuchtigkeit steckte noch in den Halmen, der dem Feuer hätte Widerstand leisten können. Und wir drei Jungen trampelten wie blöd auf den Flammen herum.

 

Letztendlich haben wir es geschafft den Waldbrand zu verhindern. Wir haben Erde genommen, um das Feuer zu löschen. Aber davon nicht genug, sind wir die nächste Woche wieder gokeln gegangen. Schon als wie ein paar Tannenzapfen verbrennen wollten, haben wir lautes Grunzen gehört. Wir dachten es wäre ein Wildschwein und sind voller Angst aus dem Wald gerannt. Aber später habe ich erfahren, dass es der Vater von Thomas war.

Mein Sohn ist so dreist und gokelt in seinem Zimmer. Die Gardine hatte schon Feuer gefangen, als ich herein kam. Wie ein kleiner Teufel hüpfte er vor dem brennenden Stoff, Angst hatte er nicht. Wir ein verrückter bin ich ins Bad, um Wasser zu holen. Alles ist gut ausgegangen. Aber wie kann ich es meinem Sohn beibringen, dass er so was bleiben lassen muss. Das ist gefährlich. Am liebsten hätte ich ihm einen runterhauen wollen, aber was hilft das.

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Die Affen im Gehege

Wir, meine Frau, mein Sohn und ich, waren am Wochenende im Zoo. Die meisten Tiere sind bei dieser Jahreszeit träge oder zeigen sich gar nicht, weil sie Winterschlaf halten. Aber meinem Sohn machte das nichts aus, er wollte sowieso den ganzen Tag im Affenhaus bleiben. Ich hab ihn schon mit den Affen auf dem Baumattrappe gesehen. An diese kahlen Ästen sich entlang hangeln und mit den Finger die Läuse aus dem Haar des Nachbarn zupfen. Wie ich meinen Sohn da ruhig sitzen sah, auf der Bank direkt unter dem Geäst, bekam ich etwas Angst. Selten ist er so ruhig, schon gar nicht wenn so viel zu sehen ist. Da tickt er üblich völlig aus, macht Luftsprünge und hechelt mit seiner Zunge, wedelt mit seinem Haarschopf und rollt die Augen. Doch den Affen saß er ruhig gegenüber. Schien mit ihnen zu kommunizieren. Mir schien, als knisterte es in der Luft, also würden er mit den Tieren etwas aushecken, etwas furchtbares. Kalt lief es mir den Rücken herunter.

Wenn ich ihm vorschlug weiterzugehen, schaute er mich böse an. Meine Frau schien das gar nicht zu beunruhigen, sie war froh, dass der Racker mal Ruhe finden konnte. Sie schob mich in eine Ecke des Affengeheges und schien sichtlich zu frieden zu sein. Sie küsste mich immer wieder. Völlig verwirrt von der Situation sagte ich ihr, ich müsse erst einmal einen Kaffee trinken. Ja, vielleicht können wir den Kleinen hier lassen, und wir gehen im Zoomuseum einen Kaffee trinken, zwinkerte sie obszön zu. Wir haben meinen Sohn noch nie irgendwo allein gelassen. Aber meine Frau war felsenfest überzeugt, dass nichts passieren würden. Also fragte ich ihn, ob alles in Ordnung ist, und wenn er will, kann er noch ein wenig die Affen beobachten, während Mama und Papa einen Kaffee trinken gehen. Er nickte nur. Tatsächlich kamen wir zurück und er saß da und starrte die Affen an.

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Häufigste Todesfälle

Und da bin ich wieder, unterwegs auf den Straßen Omas mit Herzinfarkt das Leben retten. Könnte man eigentlich so zusammenfassen, Herzinfarkt ist der häufigste Grund, warum wir in Eiltempo rausfahren. Dabei kommt es wirklich auf Minuten an. Bei anderen Fahrten, wie Beispielsweise, große Bauchschmerz, Luftnot oder ähnliche sind meist gar nicht so dringend. Herzinfarkt ist die häufigste Todesursache in Deutschland. Fast die Hälfte aller Todesfälle sind durch Herzinfarkt oder andere Herz-Kreislaufkrankheiten verursacht. Das Bundesamt in Wiesbaden hat eine ausführliche Studie dazu veröffentlich. Die zweithäufigste Todesursache ist Krebs. Ein Viertel aller Todesfälle sind an Krebsleiden gestorben. Das hatte ich mir schon fast denken können, so viele Personen aus meinem Bekanntenkreis sind bereits an Krebs gestorben. Auch junge Menschen, und nicht unbedingt, diejenigen, die total ungesund gelebt haben. Nein, jung, gesund lebende Menschen, zum Beispiel war eine Vegetarier darunter, die sehr bewusst gegessen hat. Leute die weder geraucht noch getrunken haben, alle hat sie der Krebs dahin gerafft.

Was mich überrascht hat, dass Krebs mehr Männer als Frauen dahinrafft. Männer starben meist an Tumoren der Atmungsorgane und Frauen an Brustkrebs. Außerdem ist noch etwas sehr interessant in der Statistik aus Wiesbaden mit aufgenommen. 9571 Menschen nahmen sich im letzten Jahr das Leben. Glücklicherweise bin ich noch nicht zu so einem Fall gerufen wurden. Von diesen fast 10.000 Menschen waren 75 Prozent Männer und nur ein Viertel Frauen, die sich das Leben nehmen wollten.

Da frag ich mich wirklich, wie so etwas kommt. Das starke Geschlecht hat sich unauffällig in den letzten Jahrzehnten als das schwache Geschlecht entpuppt. Männer rafft das Leben dahin, während Frauen es schaffen sich durchzubeißen. Könnte mir irgendwann eine Welt vorstellen in der Männer als Minderheit um ihre Rechte kämpfen müssen.

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